Paris zum fairen Preis
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Nicht noch ein Spitzenrestaurant
Manchmal kommt das Lächeln auch zuerst – und das ganz ohne pekuniären Hintergrund: etwa im »Comptoir du Relais« in Saint-Germain, wenn die Bedienung einen Wurstkorb und ein Holzbrett auf den Tisch stellt. Eigentümer Yves Camdeborde hat ein ganzes Genre begründet: »Ich habe im edlen Hôtel de Crillon gelernt«, erzählt der rundliche, dunkelhaarige Wirt, »aber noch ein Spitzenrestaurant eröffnen? Das wollte ich nicht. Also setzte ich meine
1.000 Euro für ein Essen zu zweit
Paris ist teuer. Niemand kann das anders ausdrücken. »Ein wenig kostspielig« trifft es einfach nicht. »Verfügt über ein gehobenes Preisniveau« – das wäre im besten Fall snobistisches Understatement. »Nicht für den normalen Geldbeutel geeignet?« Klingt zu arrogant. Deshalb: Paris ist teuer. Und hier sind die Kostproben: Zur Einstimmung ein Champagnercocktail aus günstigem Schampus und viel Himbeersaft? Kostet 28 Euro. Vielleicht lieber zwei Gerichte à la carte? Die werden für 60 bis 125 Euro fakturiert. Pro Stück natürlich, nicht zusammen. Ein guter Kaffee zum Abschluss? Kommt sofort, zu Preisen zwischen sechs und 15 Euro, wobei letztere Version als »Café Gourmand« auch ein wenig Süßkram auf einem separaten Tellerchen bietet.
Alles in allem werden in der Stadt an der Seine für ein gepflegtes Essen zu zweit mit Aperitif, Wein und Kaffee (den Digestif verkneifen wir uns mal, man will ja nicht prassen) leicht 600 bis 1.000 Euro fällig.
Historischer Background
Diese Preisgestaltung hat Tradition, seit 1765 in der Rue des Poulies (heute Rue du Louvre) ein gewisser Monsieur Boulanger sein »Restaurant«, eine Brühe aus Rebhühnern, Kapaunen, Kalb- und Hammelfleisch, serviert hat: Schon Voltaire beschwerte sich hier über die Preise. Boulanger jedenfalls wurde erfolgreich, und dieser Erfolg stieg ihm zu Kopf: Der Restaurateur ließ sich in einer Droschke chauffieren, kleidete sich als Grandseigneur und frequentierte nur noch die hohe Gesellschaft. Nach Verleihung diverser Auszeichnungen verhalten sich heutige Pariser Köche genau wie ihr Altvorderer.
Lebensqualität im kulinarischen Alltag
Doch auch das »Comptoir du Relais« hat viele Nacheiferer gefunden: das »Ami Jean« in der Nähe des Eiffelturms etwa. Ein schummriger Laden, in dem sich die Tapete von der Wand schält. Tintenfischchen aus der Pfanne werden großzügig aufgetischt, Kalbsbries gibt’s mit Fuß vom gleichen Tier und einer Chili-Lasagne. Rund 32 Euro für drei Gänge. In der gleichen Preislage gibt es Schweineterrine mit Dattelpüree und Entenbrust in Tamarindensauce im zwanglosen »Pré Verre«. Erwähnenswert ist auch das »Grand Pan« mit seinen üppigen Koteletts von Rind, Schwein oder Kalb, serviert mit Fritten – der Lieferant ist auf der Tageskarte vermerkt, es sind stets Metzger, die zumindest in Frankreich einen Namen haben. Oder das Kalbsbries mit Steinpilzen, gefolgt von stämmigem Schokoladensoufflé im »Bistrot Paul Bert«. Ein altes Stück Paris, mit zwei Gasträumen, die so wirken, als käme gleich Jean Gabin durch die Tür, Schiebermütze ins Gesicht geschoben, eine
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Leistbare Restaurants und Hotels - Die besten Adressen in Paris
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